Hirschjagd
Zur Herbstzeit gleich nach Hirschens Brunft
gehen zwei auf Jagd.
Sie stammen von der Jägerzunft
und sind ganz unverzagt.
Am Hochstand sitzen beide an
und warten drei, vier Stunden,
da kommt ein kapitaler Hirsch
und dreht so seine Runden.
Der junge ist recht ungestüm
und hebt den Lauf zur Wade.
Der alte spricht: „Lass ihn doch ziehn,
um so ein Tier wärs schade!"
Bald kommt der nächste Hirsch herbei
ein junges, schönes Tier.
Dem jungen ist das einerlei.
Er nimmt ihn ins Visier.
Und wiederum der alte spricht:
„Ach so ein junges Leben.
Auf so was sind wir nicht erpicht.
Tu ihm paar Jahre geben."
Als nach gewisser Zeit am Wald
ein Tier streunt auf die Lichtung,
da schauderts beiden heiß und kalt;
so steht′s in keiner Dichtung.
Ein Hirsch, recht alt und lahm und krank
und das Geweih zertrümmert;
der kraftlos auf die Lichtung sank.
Die Jäger schaun bekümmert.
Ein Auge fehlt, der Schwanz ist ab.
Ein Bild, es geht nicht schlimmer.
Da ruft der alte schnell herab:
„Schieß den, den nehm′ wir immer!"