
Noch rauchen wir. Voller Grausen erwarten wir die Pflasterle, welche
die Schwiegertochter (für mich vorschnell) bei Aponeo bestellt hat.
Die letzte Büchse ist gestopft (Tabak) und wir sind eifrig dabei die
Schadstoffe zu beseitigen.
Was mach′ ich nur, wenn′s gelingen sollte, die Tapete ihre Farbe behält,
ich nicht mehr stopfen darf und beim ′Menscheln′ die Luft nicht mehr
knapp wird? Der Gattin Wundsalbe besorgen? Das kostet wieder Geld.
nun ist′s gleich so weit: Die Pflaster sind angekommen und befinden sich
vor der Tastatur. Wir rauchen beide wie die Schlote um das Schadgut zu
reduzieren und genießen die letzten Minuten bewußten Lebens, um zu mieß-
grämigen, alten Käuzen zu werden.
so wirds wohl bald im Dorfblatt stehen:
Nach langer schwerer Krankheit ist er nun schließlich zum NICHTRAUCHER
mutiert: 
Ihr wisst es bestimmt so gut wie wir: Es fällt einfach ein Stückchen Leben weg
– vergleichbar mit nie mehr vernünftig essen, nie mehr ordentlich genießen ...
was sind Nichtraucher nur für ein erbärmliches Volk.
Jetzt wissen wir auch, warum dies als Laster bezeichnet wird; so wie alles,
was Freude macht.
Alles klar. So wie der Papst die leiblichen Laster verdammt, weil er sie nicht
kennt, verdammen Nichtraucher unser Laster.
Uns wird jedenfalls sehr viel fehlen.
Heute gings uns zu Entwöhnenden jedenfalls nicht gut: Der häßliche Nachgeschmack
jeglichen Essens ohne Zigarette ist kaum auszuhalten. Wir werden noch paar Kilo
Zahnpasta kaufen müssen.
Die neckischen Pflasterle helfen insofern, dass man nicht ganz durchdreht – das
Verlangen nach Nikotin nehmen die aber nicht!
Leute – zur Zeit sind wir schweeeeeer krank!
Ob der Geruch von Schweißfüßen hilft? Achselschweiß, Trocken-WC, selbst Knoblauch
ist angenehmer als dieser Entzug!
Der Schreiber kann sich nicht vorstellen, dass die Beschreibung dieser Prozedur
einmal optimistischer werden könnte. Aber hoffen tut er.
Gehustet hab ich heute noch nicht, gelebt aber auch nicht!
Nie für möglich gehalten, leiden wir bereits 64 Stunden ohne Nikotin; die Pumpe
des Schreibers hält das mit Sicherheit nicht für gesund. Jede unserer bisherigen
Aussagen trifft nach wie vor zu: Rauchen kann nicht schädlich sein!!!
Der üble Nachgeschmack nach dem Essen ohne Zigarette, die Stimmungslosigkeit – ach,
es lässt sich gar nicht alles aufzählen.
Gestern waren wir mit unseren Kindern Essen; ganz vorzüglich:
Lammkotelett, Gegrilltes und dann noch paar Mixgetränke, aber ohne Tabak ist′s bald
schade ums Geld.
Summasummarum: Die Pflasterchen werden wir wohl aufbrauchen, (die haben ja auch Geld
gekostet) und irgendwann in absehbarer Zukunft wieder bewußt mit dem Genuß beginnen.
Jetzt wissen wir jedenfalls, wie gestorben wird.
Obama hat uns nicht geholfen; wir fühlen uns eher wie die von Monty Python – "mehr Nägel,
wir rutschen".
Warten wir nun einfach mal ab, wieviel Pfunde auf die Plautze und den Rest der Familie
′purzeln′ – danach wird sich wohl der bewußte Termin des nächsten Lebensbeginn richten.
Endlich wieder vernünftig schmecken, riechen, fühlen, denken und ...und...und
Euch noch einen schönen Sonntag Abend, genießt jede Zigarette
– vor allem die danach
Jawohl, oder yes we can, – wir geben alles. Trotzdem klagen wir, weils ganz einfach schrecklich ist.
40 Jahre Rauchen – sprich LEBEN, lassen sich nicht so ohne weiteres wegstecken.
Ihr braucht Euch beim Zureden keine Mühe geben. Wir haben unseren eigenen Kopf und können
absolut noch nicht sagen, wie die Sache ausgehen wird.
Sollte sich ein besseres Lebensgefühl wirklich nicht einstellen, bleibt′s wolhl dabei,
dass das Laster einen neuen Anfang nimmt. Auf Erfahrungsberichte können wir leider nicht
zurückgreifen, denn das, was wir gehört haben, trifft bisher weiß Gott nicht zu.
Mal schauen wie sich die Sache entwickelt...
Zur Zeit sind wir unausstehlich. Der Schreiber langt nach jedem Satzzeichen nach vorn links,
weil dort das Nikotin zu ′parken′ hatte – vergeblich.
einen schönen Feierabend mit einer friedlichen Feierabendzigarette...
– das hätten wir auch gern, ehrlich.
Der vierte Tag Entzug; Ihr lest′s wie ein Tagebuch, ist wie der erste Tag. Es vergehen keine
fünf Minuten, um nicht einmal an die nächste Zigarette zu denken – danach zu gieren.
Der Schreiber hat heute bewußt sein Pflasterle vergessen. Die Dinger sind nur Geldmache
– geholfen haben sie nicht!
„was wir gehört haben, trifft bisher weiß Gott nicht zu"
Ja da wird erklärt, es fände nur im Kopf statt: Lüge! Es findet überall statt,
sogar in der kleinen Zehe – alle Teile fühlen sich kalt und
taub an. Das Heizkissen, welches für Knie oder Rücken
gedacht war, befindet sich großenteils unter meinen Füßen.
Da wird behauptet, man könne besser riechen: Falsch! Alles riecht übler! Man
steht morgens auf und reißt die Fenster auf, weils nach
Essen ′riecht′! Das einzige, was gut riecht, ist der Nachbar,
welcher mit brennender Zigarette in sein Auto steigt – ich
könnte schwul werden...
Da wird erzählt, alles schmecke besser: Lüge!!! Bisher hat mir jedenfalls nichts,
aber auch rein gar nichts, besser geschmeckt! Im Gegenteil!
Vieles schmeckt lange nicht mehr so gut wie vor Tag Null.
Da wird erzählt, man bekomme besser Luft: Nun, das werden wir noch erfahren.
Hier können wir uns noch kein Urteil erlauben.
Resumee: NICHTRAUCHEN macht einsam, dumm, geschmacklos und nervös!
macht kalte Hände und Füße
Der Schreiber wird sich, wenn das Pensionsalter erreicht ist, als Haus- und Facharzt
für alle nur erdenkliche Leiden niederlassen:
„Was, sie haben Fußpilz? Daran ist das Rauchen schuld!"
„Wie, zuckerkrank? Hör′n sie auf mit Rauchen!"
„Die dritten Zähne? Es könnten noch die Milchzähne sein, wenn sie nicht rauchen würden!"
„Ein Brille? Aber nur, wegen dem Nikotinkonsum!"
„Ah, der Ischias hat zugeschlagen! Das liegt an der letzten Zigarette!"
Selbst die Bankenkrise ist garantiert nur auf das Rauchen zurückzuführen!
So – Ihr seht hier wieder mal, was uns zur Zeit am meisten beschäftigt, es ist einfach nicht
mehr feierlich. Was dahinsiechen heißt, da können wir jetzt mitreden. An einem tieferen Punkt
als dem zur Zeit seit drei Tagen könnt Ihr uns
eigentlich kaum erwischen.
Tja, einen weiteren berichtenswerten Tagesablauf haben wir nicht. Ein echter Ossi wäre auf
unsere derzeitige Jammerei so richtig neidisch.
Heute waren wir schon pall mall dran; aber noch sind wir stark. Wenn wenigstens jetzt eine
schöne Grippe, ein Schnupfen oder ein Husten helfen würde.
Jetzt können wir nicht gerade behaupten, dass es uns viel besser gehen würde. Der Befund der
Herzkatheteruntersuchung, dass 40 Jahre Nikotin keinerlei Spuren hinterlassen haben, ist nun
für den weiteren Entzug nicht gerade förderlich. Eins hat der Schreiber aber gemerkt: Wenn man
überhaupt nichts frißt, ist der Sog nicht so extrem.
Wie sollen wir uns aber das Fressen abgewöhnen?
Was, schon eine Woche solls her sein? Gegessen wird bei uns immernoch. Und nach dem Essen
oder gar nach einer Tasse Kaffee fristet der hässliche Geschmack nach wie vor sein Dasein. Die
Zahnpasta, welche helfen soll, tuts nicht. Und wer sagt uns, dass wir nicht womöglich Clorondont-
abhängig werden? Wie man davon loskommt, ist garantiert noch nicht erforscht. Wenn die′s noch
nicht mal mit dem Nikotin gepackt haben...
Jedenfalls schätze ich, dass sich in absehbarer Zeit die Gattin zum nächsten Automaten bewegt,

Tabak besorgt und dass dann
das Leben wieder anfängt: 
- die Leiden der jungen Wärter oder Heine: „Denk ich an..." –die letzte Zigarette. Jedenfalls ist es
tatsächlich wie am Tag Eins: Das unbeschwerte Leben hat aufgehört; ein ganz großer Genuss ist
gewichen und alles erscheint schnell trist und hoffnungslos. Den Einkauf heute zur Nahrungssuche
im Auto zu verstauen; das wäre eine Fernsehaufnahme wert gewesen. Dass wir unverletzt nach
Hause gekommen sind...
Ach was waren das noch für Zeiten...

Nichts Neues — Nichtrauchen stinkt uns an
Wenn man sich überlegt, dass wir beide das Alter haben, jederzeit einer Aufführung Kasperles zu erliegen,
überlegt man sich auch reiflich, diesen Entzug auf sich zu nehmen. Die Wohnung stinkt immernoch nach den
Steaks von gestern, dem Kassler von vorgestern und die einzig gute Luft kommt vom Nachbar, der ab und zu
auf dem Balkon mal ′eine zieht′.
Selbst unsere Grünpflanzen halten den Quatsch nicht mehr aus:

Pflasterle helfen nicht, fressen hilft nicht - man kann gar nicht soviel wieder heraus ...—, wie man
zu sich nimmt und deshalb sich auch schon nicht mehr bücken.
Also bevor wir ernsthaft krank werden, bekommt der Balkon einen neuen Einrichtungsgegenstand
— gegen die Kälte.

Das ist das Ende dieser Folge: Wie werde ich Nichtraucher
